Ich wäre auch gern so cool. So stark und kraftvoll. Müde erst gegen Nachmittag und erschöpft am Abend. Ein ganz normaler anstrengender Tag eben. Ich weiß, jeder kommt mal an seine Grenzen und auch darüber hinaus und ich will niemandem seine Gefühle absprechen. Aber ich will das nicht. Nicht schon völlig erledigt von ein bisschen Smalltalk auf dem Spielplatz. Nicht gereizt und am Ende meiner Kräfte von Überreizung nach einem Supermarkt-Besuch. Nicht 3 Mal überlegen müssen, ob der Ausflug oder das Treffen mit Freunden Sinn macht. Wann am besten? In welchem Umfeld am besten? Mit viel Frischluft und genug Essen und Trinken. Mit Zeit danach auszuruhen oder auch dazwischen, um mich kurz zu sammeln. Am besten immer in Begleitung meines Mannes, damit ich zur Not flüchten und er auf das Kind aufpassen kann. Nach diversen Vorfällen, plane ich Ausflüge unter der Woche mit meinem Kind immer so, dass nach gewisser Zeit auf jeden Fall mein Mann dazu kommt. Das beruhigt mich, der Gedanke sichert mich ab. Ich habe Sorge vor Abhängigkeit. Aber in gewisser Weise ist das ja Hilfe. Es ist Unterstützung. Und die sollte sich jeder holen, wenn nötig. Was bringt es meinem Kind, wenn ich zusammenbreche und nicht für es da sein kann? Dann planen wir unsere Ausflüge - und sei es nur der Spielplatz ums Eck - eben genau. Und wenn es mal gar nicht geht, geht Papa nach Feierabend mit auf den Spielplatz. Ich denke, es ist auch wichtig, dass das Kind sich sicher und geborgen fühlt und das kann es nur, wenn ich es auch tue. Strahle ich Unsicherheit aus, wirkt sich das aus. Ich wünsche mir für mein Kind aber, dass es selbstbewusst durchs Leben geht. Und dazu gehört auch eine Mama, die leider nicht alles mitmachen kann. Nicht so sein kann, wie sie es gerne möchte. Ich sollte es langsam lernen für mich zu akzeptieren. Dann lernt es mein Kind auch. Dann kann auch mein Kind selbstbewusst zu mir stehen und akzeptieren, dass Mama so ist wie sie ist. Immer ihr Bestes gibt und nach Lösungen und Möglichkeiten sucht, damit der Spaß und das Entdecken der Welt und neuer Freundschaften nicht zu kurz kommen.

Ich wäre auch gern so cool. Gelassen und voller Tatendrang. Eine Frau, die normal shoppen und einkaufen gehen kann, eine Freundin, die problemlos mit ins Café kann, eine Mama, die tolle Ausflüge mit ihrem Kind macht. Ich will nicht anders sein, bin es aber dennoch. Und solange ich das nicht akzeptiere, wie soll ich es dann von anderen erwarten? Ich weiß, ich kann das alles schaffen. Ich muss nur offen sein für Hilfe und Unterstützung, muss meine eigenen Strategien finden, mich selbst immer weiter immer besser kennenlernen, dazu stehen, dass ich schneller gereizt und erschöpft bin und mehr Zeit zum regenerieren brauche. Auch dass ich ab und an Zeit für mich allein benötige, um auftanken und mich dann wieder auf die Menschheit stürzen zu können. 

Am Ende bin ich einfach ich. So wie ich bin. 

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